Über Geld spricht man nicht!!
Deswegen: lasst uns über Geld reden.
Nicht jede:r verdient das Gleiche. Ganz im Gegenteil: Für die gleiche Leistung, mit dem gleichen Ausbildungsniveau, mit dem gleichen Grad an Verantwortung, mit den gleichen Aufgaben verdienten Frauen in Deutschland im Jahr 2020 6% weniger als Männer. Das ist doch gar nicht viel, könnte man sagen, und das Problem damit für beendet erklären. Das Problem geht aber weiter: Frauen arbeiten wesentlich häufiger in Teilzeit und wesentlich häufiger in Berufen, die schlecht bezahlen. Der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern (genannt Gender Paygap) liegt deshalb laut Statistischem Bundesamt (Destatis) bei 18% weniger Lohn für Frauen, oder 4,16 Euro weniger pro Stunde. Jede Stunde. Über Jahre und ein ganzes Leben sammelt sich damit richtig viel Unterschied an. Im Westen Deutschlands ist der Gender Paygap mit 20% übrigens deutlich ausgeprägter als im Osten Deutschlands mit 6%.
Man könnte auch sagen, dass Frauen selbst schuld sind, wenn sie Berufe wählen, die schlechter bezahlt werden. Man könnte sich aber auch erkundigen und würde dann feststellen, dass eine Häufung von Frauen in einem Beruf dazu führt, dass dieser schlechter bezahlt wird. Und zwar ganz systematisch. Weil wir gesellschaftlich dazu geprägt werden, zu glauben, dass die Arbeit von Frauen weniger wert ist als die von Männern. Auf Kinder aufpassen? Kinderspiel. Liegt doch in der Natur der Frauen. Kann auch nur jemand sagen, der das noch nie länger am Stück gemacht hat. Unsere Corona-Held:innen waren zum großen Teil weiblich. Und Geringverdiener:innen. Die halten das System am Laufen.
Es gäbe auch keine (Männer dominierte) Industrie und keine (Männer dominierten) Hochschulen, wenn die komplette Infrastruktur dahinter nicht von Frauen gehalten würde. Kinderkrippen und Kindergärten, Grundschulen und Betreuungsangebote, Angebote der Körper-, Kranken- und Altenpflege, alles Bereiche, in denen viel mehr Frauen beschäftigt sind als Männer. Damit überhaupt neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt gelangen können, haben zahlreiche Frauen schon unendliche Stunden Care-Arbeit geliefert.
Daraus folgt eine erste wichtige Erkenntnis: Wenn Frau weniger verdient als Mann, dann ist das keine persönliche Angelegenheit, sondern ein systematisches, gesellschaftliches Problem. Behalten wir das Mal im Hinterkopf.
Wenn Kinder in einer Beziehung entstehen, dann ist die häufigste Argumentation: Frau bleibt daheim und passt in der Anfangsphase auf das Kind auf, weil Elterngeld nur einen Teil des Gehalts ersetzt, und das würde mit dem Gehalt des (besser verdienenden) Manns nicht gehen. Verständlich. Das Geld sitzt ja nicht unbedingt so locker, dass mensch darauf verzichten könnte. Aber: das, was Frau dadurch an langfristigen Einkommensverlusten hat, wird zu keiner Zeit ausgerechnet und auf den Tisch gelegt. Und schon gar nicht im Fall von einer Trennung ausgeglichen: In Deutschland verdienen Mütter zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes im Schnitt 61 Prozent weniger als im letzten Jahr vor der Geburt! Bei Vätern gibt es diesen Effekt nicht.
Frauen sind systematisch benachteiligt, das heißt aber noch nicht, dass sie auch innerhalb der Familie noch benachteiligt werden müssten.
Wenn Mensch (in der Regel Frau) auf die Erwerbsarbeit verzichtet, um den gemeinsamen (!) Nachwuchs zu betreuen, was ist das dem Vater Wert? Die Hälfte seines Gehalts? Die Einbußen der Mutter? Warum steht ihr nicht anteilig der Gehalt des Partners zu? Wenn sie gleich viel verdienen, mehr, wenn sie üblicherweise weniger verdient?
"Ich kann wegen der Betreuungsarbeit nicht meiner Erwerbsarbeit nachgehen, bekomme Elterngeld in Höhe von X, macht eine Lücke von Y. Du verdienst weiterhin Z, also hätte ich gerne die Hälfte von Y von dir erstattet".
Das ist gewissermaßen die Vereinbarung hinter der Eheschließung. Der Mann geht der Erwerbsarbeit nach, die Frau erledigt (unbezahlt) die Care-Arbeit, dafür versorgt der Mann sie mit, auch über eine Trennung hinaus, auch über die Erwerbstätigkeitsphase hinaus.
Allerdings besteht diese Fürsorge füreinander nur bei verheirateten Paaren - und auch dort nur unter bestimmten Aspekten.
Nicht falsch verstehen: Ich halte es für richtig und wichtig, dass jede:r Erwachsene für sich selbst sorgen kann, auch finanziell, auch wenn sie:er Kinder hat. Ich halte es nur für völlig falsch, es in einer Gesellschaft tun zu wollen, die Frauen dermaßen systematisch benachteiligt.
Deswegen: Redet miteinander. Redet mit eurer:m Partner:in. Karten auf den Tisch. Wer übernimmt welche Kosten? Welche Konten gibt es, wer zahlt wie viel ein? Wie hoch sind die Fixkosten, woraus bestehen diese? Welche Schulden werden in die Beziehung mitgebracht? Wie werden diese abgebaut? Wie wird die Betreuungsarbeit geleistet bzw. entlohnt? Oder wird sie paritätisch aufgeteilt?
Und redet mit Euren Freund:innen. Wie macht ihr es? Wie organisiert ihr eure Finanzen, euer Haushaltsgeld? Wer betreut wie viel, wer gleicht wem was aus?
Geht ruhig davon aus, dass die Beziehung für immer halten wird - aber eignet euch Wissen an, als würde sie es eben nicht tun.
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