Don't feed the troll
CN: Narzissmus, Beziehungsgewalt
Manche Dinge werden groß durch die Gegenwehr. Trolle, z.B.
Im Internet kennt man ja das Phänomen der Internettrolle, Personen, die scheinbar ihre ganze Energie darin investieren, zu polemisieren, Streit herbei zu führen, Menschen zu beleidigen und zu ärgern. Und nicht nur scheinbar: Viele Trolle tun das tatsächlich genau aus dem Grund, weil sie Energie daraus beziehen. Trolle ernähren sich von der Energie der Gegenwehr. Im Übrigen sind heutzutage ein sehr großer Anteil der polemisierenden Trolle einfach nur Bots, die Ressourcen binden und Unmut verteilen wollen, aber das nur am Rande.
Neulich hatte ich “exploding kittens” angeschaut, eine neue Serie auf Netflix, in der Gott und die Tochter Satans als Katzen auf die Welt kommen (ja, frag nicht) und dann hier verschiedene Abenteuer erleben, und in dem einen Fall sollten sie ein Kind aus der Hölle wieder zurückholen. Eigentlich war es nicht die echte Hölle, sondern eine Vorhölle für Jugendliche, wo alle ihre schlimmsten Ängste gesammelt aufkommen. Sportunterricht, Scham, all diese Dinge. Und da war eben auch ein Bereich mit Trollen. Die Herausforderung war, durch die Trolle hindurch zu laufen, ohne auf sie einzugehen. Dies ist herausfordernd, denn Trolle wissen oft sehr gut, wie sie Reaktionen provozieren. Sie machen das gezielt, denn, wie gesagt, das ist ihre Energiegrundlage. Sie brauchen die Reaktion, also sollte die Provokation auch entsprechend gut sein. Man findet sie überall, in jedem Forum, in jedem größeren Chat, seltener in der Realität. Meist verstecken sie sich hinter dem undurchsichtigen Labyrinth der Internetprovider und nähren sich dort von der Gegenwehr-Energie.
Sie bestehen nur so lange sie Gegenwehr haben. Sobald es keine Gegenwehr gibt, gehen sie ein.
Ähnlich ist es bei Narzissten.
Narzissten ernähren sich von der Energie des anderen, von den Gefühlen des anderen. Es ist ziemlich egal, was es für ein Gefühl ist, denn letztlich geht es nur um die Macht: Ich habe bei dem anderen ein Gefühl ausgelöst, ein gutes, ein schlechtes, ich habe Macht über diesen Menschen, ich besitze diesen Menschen. Je stärker die Gefühle, desto stärker auch die Befriedigung des Narzissten. Und genauso wie die Internettrolle wird er keine Mühen scheuen, um seine Bedürfnis nach kontinuierlicher Gefühlsnahrung (=Macht) zu befriedigen. Dabei wird er auch auf sämtliche Tricks in seiner sehr umfangreichen Trickkiste greifen, um eine Reaktion auszulösen. Das perfide dabei: Von Außen sind diese Angriffe oft gar nicht zu erkennen, denn sie sprechen spezifische Punkte an, die zu dieser speziellen Beziehung gehören. Die Frau weiß genau, dass sie gerade manipuliert und unter Druck gesetzt wird, aber die Erklärung ist so eingängig und naheliegend, das Außenstehende, die das Gesamtbild nicht erkennen, automatisch die Seite des Vaters einnehmen und die Mutter für verrückt erklären müssen. Oft gesehen. Wirklich, wirklich oft. Da stehen diese Frauen völlig perplex da und können gar nicht nachvollziehen, warum auf einmal alles sich auf die Seite des armen, aufopferungsvollen Vaters schlägt, wobei sie genau wissen, weil sie seine Lügen durchschauen, wie es wirklich um die Wahrheit steht. Aber sie sind alleine. Sie können andere nur ganz schwer davon überzeugen, was gerade wirklich passiert.
Das ist eine schwierige Situation, weil es um das Gleichgewicht geht zwischen wie viel Energie stecke ich da rein, einerseits, andererseits aber auch was lasse ich alles ohne Gegenwehr mit mir machen.
In aller Regel ist die beste Lösung im Umgang mit Trollen wie mit Narzissten: Don’t feed the troll.
So wenig Kontakt wie möglich, so sachlich wie möglich, keinerlei Gefühle und Emotionen. Natürlich hat man sie, das ist völlig unvermeidbar, aber der Troll/Narzisst darf sie nicht bekommen.
Nur sachlich, nicht auf Provokationen eingehen, so schnell wie möglich wieder aus dem Kontakt raus.
Die Methoden der Narzissten/Trolle werden immer krasser, weil sie so sehr nach dieser Reaktion hungern. Aber das ist wiederum unsere Macht: wir können sie verhungern lassen. Und das sollten wir auch tun.
Manchmal wird es schwer sein, weil wir aufgrund von oft jahrelanger Vorgeschichte sehr schnell auf die Provokationen anspringen, aber wenn wir uns vor Augen halten, was die eigentliche Intention ist - nämlich nicht der eine Sachverhalt an sich, sondern die Macht über unsere Reaktion -, dann können wir lernen, ihnen nicht das zu geben, was sie wollen, und mit der Zeit werden sie dazu übergehen, es sich woanders zu holen. Das ist ein Weg, der sich definitiv lohnt.
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