Erwartungsmanagement
Jahre später also wieder auf den Kanaren, andere Insel, und oh, da werden Katamaran-Fahrten angeboten, lass uns das Mal machen.
Welche Chance habe ich, dass meine impliziten Erwartungen erfüllt, also meine Erfahrungen bestätigt oder wiederholt werden? Genau. Null.
Das, was war, war, und wird auch nicht mehr.
Je größer jedoch die Lücke ist zwischen den Erwartungen und der Realität, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich die Realität genießen kann, wie sie tatsächlich ist.
Der "Supercat" genannte Katamaran auf dieser Reise war eine ziemliche Enttäuschung, wobei ich lieber von Ent-Täuschung spreche: Eine Ent-Täuschung ist die Rückkehr in die Realität. Mensch war einer Täuschung aufgesessen (nämlich der eigenen Erwartungshaltung) und diese Täuschung wird aufgelöst. Mensch landet wieder (unsanft) in der Realität.
Die Aufgabe der touristischen Anbieter ist ein Drahtseilakt: Wünsche zu wecken, (unhaltbare) Erwartungen zu ermöglichen, aber sie nicht so derbe zu brechen, dass es Beschwerden oder schlechte Bewertungen gibt. Ja, der Katamaran hat große, weiße Segel und Sonnenliegen. Es hat aber auch viel mehr Karten verkauft als Sonnenliegen oder gar Sonnenplätze auf Deck sind, und das bestimmt wunderschöne Segel blieb eingerollt. Stattdessen hatten wir einen Platz unter Deck, den stinkenden Motorenausdünstungen und Zigarettenrauch in der Nase.
Was hat das alles mit Alleinerziehend sein zu tun??
Alles!
Denn das Leben ist ein kontinuierliches Erwartungsmanagement, und kaum eine von uns hat es sich ausgewählt oder ausgemalt, allein mit einem oder mehreren Kindern zu sein. Die meisten von uns sind während einer "intakten" Partnerschaft schwanger geworden, und haben sicher damit gerechnet, dass die Väter Bestandteil der täglichen Familie sind.
Viele, wenn nicht gar alle von uns, haben eine schwere Trennung hinter sich. Eine Familie "aufzubrechen" ist keine Kleinigkeit. Die Hoffnungen auf eine Bilderbuchfamilie aufzugeben ebenso nicht. Wir alle haben getrauert, um das, was wir vermeintlich verloren haben. Wir haben Träume und Illusionen begraben, und uns einer harten, zum Teil extrem harten, Realität hingegeben.
Ab und zu, da holen uns die Erwartungen und Hoffnungen wieder ein. Und wenn sie an der Realität zerschellen, leiden wir. Und das dürfen wir auch, denn die Ent-Täuschung ist meistens schmerzhaft. Am Ende sollten wir nur nicht vergessen, dass die Realität ist, wie sie ist, und der Schmerz daher kommt, dass wir lieber die Erwartung hätten, als die Realität. Deswegen... Lieber die Erwartungen etwas herunter schrauben, damit wir von der Realität auch noch was haben.
Und hey, vllt war die Katamaranfahrt nicht das, was wir uns ausgemalt hatten. Aber das Meer ist genau so schön, die Sonne genau so warm, das Wasser genau so angenehm und hey, wir haben Delphine gesehen. Da wurden die Erwartungen übertroffen.
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