Die Klügere gibt ab - Rezension

Rezension zu dem Buch "Die Klügere gibt ab", von Michele Liussi und Katharina Spangler. Alle kursiven Zitate entstammen aus diesem Buch.

Foto: privat

Diese Rezension habe ich kurz nach Erscheinen des Buches "Die Klügere gibt ab" verfasst (Juli 2022), zusätzlich zu einem Ersteindruck im Blog. Ich denke, es ist an der Zeit, sich das wieder in Erinnerung zu holen. Diese Rezension ist auch als Audio erschienen bei funklust.

“Erschöpft, überfordert, müde, einsam - Muttersein ist oft anstrengend. Und manchmal zu anstrengend. Manche Mütter weinen heimlich im Bad, wenn Sie das ‘Glück’ haben, dort zwei Minuten allein zu sein. Manche schreien abends ins Kissen. Und wieder andere bleiben ein paar Minuten länger alleine im Auto sitzen als nötig.” 

Die Erschöpfung der Mütter nimmt in dem Buch "Die Klügere gibt ab", von Michelle Liussi und Katharina Spangler, einen großen Raum ein. Die Autorinnen nehmen den Leserinnen das Gefühl, allein damit zu sein. Nach kurzen einleitenden Worten geben sie ganz konkret Tipps und Werkzeuge weiter. Sei es die Wochenübersicht, das Family Board oder der Wochenspeiseplan. Alle Werkzeuge sind auf die Realität von Familien ausgerichtet. Die Werkzeuge gegen Stress sind psychologisch gut fundiert und erprobt. Auch hier, realitätsnah. Für den Notfall haben die Autorinnen eine Liste von Sofortmaßnahmen. Dabei spielt die Selbstfürsorge eine zentrale Rolle.



Sich abgrenzen, nein sagen und die eigene Imperfektion akzeptieren. Und verstehen, dass eine aufopferungsvolle Mutter nichts Positives ist.
Das sind die Punkte, die innerhalb einer Frau selbst passieren müssen. Aber es gibt auch Punkte, die in der Außenwelt passieren müssen. Frau muss sich Hilfe suchen und Verantwortung abgeben. Auch hierfür geben die Autorinnen hilfreiche Tipps: Wie Frau sich Hilfe holen und unerwünschte Hilfe auch ablehnen kann.

“Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf. Die Lösung ist so alt wie dieses afrikanische Sprichwort und noch älter: Eine sich wechselseitig unterstützende Gemeinschaft, in der sich die Mitglieder gegenseitig helfen und stärken. Ein Dorf. Kein Lebewesen kommt so hilflos und abhängig auf die Welt wie der menschliche Säugling. Sein Überleben konnte die Evolution nur durch das Leben in einer Gemeinschaft und das kooperative Aufziehen des kleinen Menschleins sichern. ” 

Dieses Dorf meinen die Autorinnen ziemlich bildlich. Durch das gesamte Buch hinweg nehmen sie die Leserinnen auf eine visuelle Übung mit. Die Netzwerke werden aufgemalt, die Lücken gezeigt, die Hilfsangebote aufgezählt. Die Erschöpfung der Mütter hängt in aller Regel mit einer ungleichen Lastenverteilung zwischen den Eltern zusammen. Deswegen wird zuerst innerhalb des Paares die gedankliche Verantwortung geteilt. Neben dem Partner sind auch andere Akteur:innen gefragt. Großeltern, Freund:innen, Nachbar:innen, andere Eltern, außer-Haus-Betreuung. Auch die spezielle Situation von Alleinerziehenden sind Thema im Buch und für Extremfälle sind professionelle Hilfsangebote gelistet. 

“Hab Geduld. Nicht jeder Tag wird rosarot sein, du wirst immer wieder an deine Grenzen kommen - das gehört zum Muttersein dazu. Alle Eltern haben mit ihrem Nachwuchs zu kämpfen, wenig Zeit für sich selbst und reagieren nicht immer so auf ihre Kinder, wie sie das gerne möchten. Niemand ist perfekt und niemand muss es sein. Für diese Momente hast du deinen Werkzeugkoffer parat um ein Netz um dich gesponnen, dass dich auffängt.” 

Am Ende ist die Familienphase nur ein Teil des Lebens einer Frau. Frau ist mehr als nur Mutter, und wird es auch wieder sein.

Monica Hinrichs-Mayer, Kulturredaktion, Juli 2022



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