Ressourcenmanagement

06.02.2023 im funklust-Studio (Foto: privat)

Letzte Woche wollte ich einen Blogpost verfassen, und war dazu überhaupt nicht in der Lage. Mein Kopf war gleichzeitig dermaßen voll und dermaßen leer, dass kein Platz für auch nur einen einzigen Gedanke dort wäre. Ich habe über die ganze Woche extrem viel geschrieben, deutlich mehr als selbst für mich normal ist, in dem Versuch, ihr werdet es erraten, der ganzen Veränderungen Herr (warum eigentlich nicht “Frau”?!) zu werden, die momentan mein Leben auf den Kopf stellen. 
Die ganze Woche habe ich gelesen und geschrieben und noch mehr geschrieben und noch mehr gelesen. Mein Kind war nicht da (Ferien) und wegen des Feiertags hatte ich auch vier Tage frei von der Arbeit. Am Stück. Luxus. Aber als es darum ging, einen Artikel zu verfassen, keine Chance. 

Wie viele wissen, habe ich vor einem guten Jahr noch ziemlich viel mit Radio gemacht. Das hat mir echt Freude gemacht, ich habe so unglaublich viel gelernt, ich habe den Kontakt mit den Studierenden genossen, ich habe die Einblicke hinter die Kulissen genossen, die der Presse vergönnt sind, ich habe an meinem Schreiben und an meinem Sprechen herumgedoktert und diese weiterentwickelt. Natürlich alles neben einer Vollzeitstelle und einer nicht ganz anspruchslosen Ganztagstätigkeit als alleinerziehende Mutter. 
Zwangsläufig hatte ich ein Jahr Pause eingelegt, als andere Themen sich mit höherer Priorität aufgezwängt haben, und jetzt dachte ich, ich komme mit dem Thema “KI Woche” zurück. 
Es gibt nur ein Problem: Die Ressourcen sind endlich. Und Dinge, die wir gerne machen, können zur Last werden, wenn wir nicht dafür die nötigen Ressourcen aufbringen können. 
Schreiben ist eine Quelle der Freude, aber schreiben müssen: Stress. Kochen ist eine Quelle der Freude, aber kochen müssen: Stress. Arbeiten ist eine Quelle der Freude, aber arbeiten müssen: ihr wisst schon. 
Das gleiche gilt leider Gottes auch für Hobbys und für die Carearbeit. 
Wer erinnert sich nicht (wer früher Tante als Mutter war), einen Nachmittag mit den Nichten und Neffen verbringen: Quelle der Freude. Vielleicht minimale Überreizungs- und Erschöpfungserscheinungen im Anschluss, aber meistens war das Treffen außer laut auch sehr lebendig und schön. Aber gerade als Alleinerziehende jeden Tag auf Kinder aufzupassen, ohne eine Möglichkeit, durchzuschnaufen oder auszubrechen: Stress.
Das gleiche auch bei Hobbys. Ich liebe Schreiben und ich liebe das Radio und das Schreiben für das Radio ist fast noch besser als alles, aber wenn mir die Ressourcen dafür gerade ausgehen, dann entwickle ich einen Widerwillen. 
Es gibt Dinge, die kann mensch nur leisten, wenn mensch gerade die Ressourcen dafür hat. 
Ich hadere schon lange damit, ob ich mir wieder einen Hund zulegen sollte. Mein verstorbener Hund war mein Herzenshund, ich weiß, dass sie nicht zu ersetzen sein wird, ich weiß, dass es viel Arbeit macht, viel Dreck macht aber eben auch so viel Freude. Nach Hause kommen und freudig begrüßt zu werden, ist unbezahlbar. Bei Regen rauszugehen und nur andere Hundebesitzer:imnen zu treffen, unbezahlbar. Aber bei Regen eben nicht rauszugehen und einfach im Bett liegen zu bleiben, auch das ist unbezahlbar. 
Es ist alles eine Frage der Ressourcen.
Wofür habe ich gerade Ressourcen, wofür kann ich sie gerade aufbringen? Wo muss ich Puffer einplanen und wie groß müssen diese sein, damit das ganze System nicht auseinander bricht?
Bestimmte Punkte sind gesetzt, weil ich sie nun mal nicht abschaffen kann. Arbeiten gehen ist zwar nett, aber eben nicht nur ein Hobby, sondern eine finanzielle Notwendigkeit. Die Ressourcen, die ich brauche, um zu arbeiten, die muss ich irgendwo fest verplanen. Auch mein Kind ist nicht optional, sondern fester Bestandteil meines Lebens. Die Ressourcen, die ich für ihn brauche, sind ebenfalls nicht optional. Dann kommt noch der Haushalt dazu, der leider Gottes auch nicht optional ist. 
Wenn diese drei großen Blöcke an Ressourcen allokiert sind, ist die große Frage, wie viel ist noch übrig. Reicht es für große Sprünge, reicht es für ein Hobby im Radio, reicht es für einen Hund, reicht es für ein Ehrenamt? 
Natürlich können alle diese Dinge einem auch Energie geben, Freude bringen, aber zuerst muss ich investieren. Und diese Investition muss so gestaltet und gemessen sein, dass ich dadurch nicht dermaßen ins Minus gehe, dass das Positive das gar nicht mehr aufwiegen kann. 
Es gibt Stellschrauben, an denen können wir justieren. Perfektionismus ist so ein Beispiel. 
Habe ich extrem mit mir gehadert, in der letzten Woche nur eine alte Rezension zu veröffentlichen, obwohl ich genau weiß, dass das ein tolles Buch ist und eine Wiederholung überhaupt nicht schadet, zumal viele neue Leserinnen jetzt auf meinen Blog zugreifen? Und wie ich mit mir gehadert habe. Entspricht es meinem Qualitätserwartung, entspricht es meinem Standard? 
Tja, das ist die Frage. 
Wenn es das ist, was die Realität gerade hergibt, dann wäre es ziemlich klug, meinen Standard daran auszurichten. Wenn die Hobbys auch noch zu Stress werden, dann ist Hopfen und Malz verloren. 
Andererseits fällt es auch so extrem schwer, gerade auf die Hobbys und auf die Sachen zu verzichten, die einer ja gut tun. 
Ich kann schon nicht auf alles verzichten, was ich eben tun muss, also kann ich nur auf das verzichten, was ich tun kann, und das sind aber meistens die Sachen, die ich tun will. 
Das ist eine schwierige Konstellation und auf Dauer auch nicht haltbar. Wir müssen Formen finden, unsere Energie so aufzuteilen, dass sie nicht nur für das notwendige, nicht-optionale reicht, sondern auch für die Dinge, die uns Freude machen. 
Ich würde euch zu gerne sagen, wie das geht, nur leider sind die Ressourcen, die ich für das Schreiben allokiert hatte, gerade aufgebraucht. Vielleicht nächste Woche wieder.


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