Veränderung
Unterschiedliche Bedürfnisse, klar, ein Veränderungswunsch oder der Wunsch, dass sich Dinge eben nicht ändern. Dinge die sich aber ändern werden, die sich ändern müssen.
Veränderungen passieren ständig, bei dem einen schneller und bei der anderen langsamer oder mehr oft als nicht genau andersrum. Veränderungen sind Teil des Lebens und bei einigen Menschen geht das extrem schnell, bei anderen sind sie eher sehr zäh und langsam. Beides ist notwendig, schnelle Veränderung und langsame. Offenheit für neues und Beharren auf Vertrautes. Beides ergänzt sich, und sorgt gleichzeitig für kontinuierliche Reibungspunkte. Es gibt gute Gründe, sowohl für die Veränderung als auch für die Beständigkeit.
Vor einigen Jahren habe ich einen TED Talk angeschaut, den ich leider nie wieder finden werde (versuch mal nach "TED Talk" und "change" zu suchen und dann weißt du, wovon ich spreche), und eine Kernaussage darin war, dass wir die Veränderungen unseres vergangenen Lebensjahrzehnts überschätzen und die des kommenden Lebensjahrzehnts unterschätzen. Wir meinen zu jeder Zeit, dass wir nie wieder so viel Veränderung erleben werden, wie in den letzten zehn Jahren, und dann stellt sich aber heraus, dass die kommenden zehn Jahre ebenfalls viel Veränderung mit sich bringen werden.
Klar, als ich Mutter geworden bin, hätte ich nie gedacht, dass sich mein Leben jemals wieder so ändern könnte wie mit der Geburt des Kindes. Und ein Stück weit stimmt das natürlich, weil ein Kind das Leben sehr grundlegend ändert. Aber diese Veränderung hört damit ja nicht auf, sondern jeder Tag mit einem Kind bringt weitere Veränderung. Das Kind verändert sich, die Eltern verändern sich, wir stimmen uns immer wieder neu aufeinander ein und merken vielleicht gar nicht, wie wir jeden Tag damit wachsen.
Nur noch mal, jeder hat seine eigene Entwicklungsgeschwindigkeit, und so kam es mehr als einmal vor, dass ich meinem Kind erklärt habe, dass ich ihm bestimmte Dinge nicht erlaube, nicht, weil ich glaube, dass er sie noch nicht kann, sondern weil ich noch nicht so weit bin, diesen Sprung zuzulassen. Kinder entwickeln sich nämlich selten linear, sondern häufig in Sprüngen. Kaum habe ich das Kind mal zwei Stunden allein zu Hause gelassen, dann möchte es auf einmal allein übernachten. "Öhm, nein. Da bin ich bei weitem noch nicht. Gib mir noch ein Jahr oder zwei oder fünf".
Das Kind traut sich manchmal schon Dinge zu, wo ich als Erwachsene einfach noch nicht hinterherkomme, mein Bild von ihm anzupassen, zu verstehen, dass er schon weiter ist.
Veränderung ist kontinuierlich, Veränderung ist überall, Veränderung ist omnipräsent. Einige Veränderungen kriegen wir weniger mit, weil sie uns zusprechen. Andere Veränderungen belasten uns sehr, weil wir gerne möchten, das Dinge so bleiben, wie sie immer waren. Oder umgekehrt: wir wünschen uns Veränderung so dringend. Wir brauchen es, dass die Welt anders ist, als sie ist, dass die Menschen anders sind, als sie sind, dass sie mitkommen mit unserer eigenen Entwicklung und Veränderung.
Assimilation und Akkomodation, das Thema hatte ich schon mal, und zu oft in einer Partnerschaft ist einer gerade in einer Phase von assimilieren und der andere in einer Phase von akkommodieren. Einer muss sich verändern, einer muss die Veränderung sacken lassen. Und so wechselt man sich ab und lebt entweder in einer kontinuierlichen Dynamik, mit Reibungspunkten, wo man sich gegenseitig verändert, wenngleich oft nicht schnell genug, oder man beschließt, dass es an der Zeit ist, getrennte Wege zu gehen, um sich nicht gegenseitig zu belasten.
Es gibt keine Lösung.
Ich glaube, alles was es gibt ist Ehrlichkeit, mit sich selbst und mit dem anderen, das Spiel mit offenen Karten und eine Kommunikation darüber, was man selbst gewillt und bereit ist, mitzutragen, und wo die eigenen Grenzen liegen.
Habe ich das Wort "einfach" vergessen?
Ich meinte natürlich, alles was es gibt ist "einfach" Ehrlichkeit, "einfach" das Spiel mit offenen Karten und "einfach" eine Kommunikation darüber, was man selbst gewillt und bereit ist mitzutragen, und wo "einfach" die eigenen Grenzen liegen.
Wirklich einfach ist davon nichts.
Aber Veränderung... Ist nun mal das einzige Beständige.
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