Wie kann das sein??

https://www.pexels.com/photo/doctors-talking-beside-the-patient-6129197


Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich auf Ungerechtigkeit ganz besonders empfindlich reagiere. Zum Teil bin ich naiv/ideologisch geprägt, keine Frage, aber irgendwie geht es mir nicht richtig in den Kopf, warum manche Personengruppen vor allen anderen bevorzugt werden. Anders gesagt, warum das Männliche als das Normale verstanden wird, wo doch die Hälfte der Bevölkerung eben nicht männlich ist. Daran schließen auch die ganzen Diskussionen der Diskriminierung an, nach der Heteronormativität, Rassismus und noch so viel mehr. Es geht um den Ausschluss eines anderen, weil er nicht der Norm entspricht, und die Norm ist weiß, männlich und hetero.
Sobald etwas die männliche Welt betrifft, nimmt es einen unglaublichen Wert ein. Das sind wir gewissermaßen gewohnt. Unvergessen die Situation um #pimmelgate, in der der Hamburger Innensenator Andy Grote von der SPD eine Wohnung durchsuchen ließ, weil er als "Pimmel" beleidigt wurde (das habe ich nicht erfunden, ich wünschte, ich wäre kreativ genug, um so etwas zu erfinden). Wenn mensch sich anhört, womit Frauen tagtäglich beleidigt und bedroht werden, dann mag das etwas überproportioniert erscheinen. Natürlich will ich damit nicht normalisieren, dass auch Männer beleidigt werden, ich will es einfach nur in Proportion setzen.
Alles ist genormt danach, als ob Menschen 1,80 m groß und eben männlich wären. Kleine Menschen, behinderte Menschen, weibliche Menschen, alte Menschen, alle diese finden wenn, dann nur nachgelagert Berücksichtigung im öffentlichen Raum. Dazu gibt es ganzen Bücher. Luise Pusch ging in Das Deutsche als Männersprache argumentativ so weit, nachvollziehbar zu machen, dass Frauen bei dem Begriff "Mensch" manchmal mitgemeint sind und manchmal eben nicht. So wird der Satz "ein Mensch ohne Frau ist überhaupt kein Mensch" noch eher verstanden als der Satz "mit der geschlechtsreife wird der Mensch gebärfähig". Im ersten Satz ist mit Mensch der Mann gemeint, im zweiten Satz wäre mit Mensch die Frau gemeint, und wenn beide Geschlechter gleichermaßen mitgemeint wären bei dem Begriff "Mensch", dann wäre der zweite Satz genauso (un-) sinnig wie der erste. Ist er aber nicht. In Bezug auf Kindern übrigens ähnlich.
An vielen Stellen sind wir also gewohnt, dass wir, die Frauen, nicht das Maß aller Dinge sind. 
Gerade im Bereich der Medizin könnte mensch aber erwarten, dass diese sich eben auf alle Menschen bezieht, und nicht nur auf männliche. Es gibt auch speziell die Gynäkologie, die Wissenschaft oder Lehre der Frau oder Frauenheilkunde, die sich aber primär um "Entstehung, Erkennung, Behandlung und Verhütung der Erkrankungen vor allem des weiblichen Sexual- und Fortpflanzungstraktes" kümmert. Klar, um alles andere muss sie sich nicht kümmern, denn Mensch ist ja schließlich Mensch, und Frau ist ja Mensch, also braucht sie keine andere Medizin als die anderen Menschen. Könnte mensch meinen, es sei denn mensch wüsste, dass auch die Medizin häufig männlich normiert ist.
Mindestens genau so schlimm finde ich: obwohl ein Großteil der Medizinstudierenden weiblich sind, sind die Professuren nach wie vor männlich besetzt, und auch die Leitungspositionen in Kliniken sind sehr fest in Männerhand. Was auch ein Grund sein könnte, weshalb Frauen generell so wenig Berücksichtigung finden, auch als Forschungsobjekt. Vielleicht werden auch Frauen in Leitungspositionen gebraucht, die sich Forschungsprojekte ausdenken, um dahinter zu kommen, dass die männliche sichtweise nicht immer die allwissende ist, die sie gerade in der Medizin häufig zu sein vorgibt.
Aktuell bewegt sich etwas, auch in Deutschland, mit der Einrichtung einiger Institutionen für Gendermedizin, die genau diese Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Anatomie sowie deren Erkrankungen thematisieren wollen.

Und dann kommen wir zu der Pandemie, zu den mRNA Impfstoffen, eine wahre Revolution, von der wir nur Glück hatten, dass sie gerade jetzt soweit war, als wir sie benötigt haben (noch vor wenigen Jahren hätten wir auf eine Pandemie keine mRNA Impfstoffe entgegenzusetzen gehabt, und hätten auf das langwierige Herstellen von herkömmlichen Impfstoffen warten müssen, was eine sehr viel größere Anzahl an todesfällen bedeutet hätte). Und wir kommen zu der größten Impfkampagne, die die Welt jemals gesehen hat, in der innerhalb von verhältnismäßig kurzer Zeit 8,5 Milliarden (!!) von Impfdosen verabreicht werden. In der die Diskussion um den Nebenwirkungen von den verschiedenen Impfstoffen über Monate die Medienlandschaft dominieren, und die leider auch dazu führen, dass sich sehr viele Menschen gar nicht impfen lassen. Und ich halte mich an der Stelle für wirklich ganz gut informiert, und trotzdem ist mir zu keinem Zeitpunkt die Informationen begegnet, dass die Impfungen den weiblichen Zyklus mit erheblichen Nebenwirkungen beeinflussen können. Über diese Information bin ich heute zufällig gestolpert, nachdem ich neun Tage lang an schlimmer Übelkeit gelitten habe und den üblichen Symptomen, die ich auch von der Schwangerschaft her kannte. Ich habe mir furchtbar viel Gedanken gemacht, was gerade mit meinem Körper passieren könnte, was davon psychisch bedingt sein kann, ob das der Stress ist, ob ich vielleicht sogar verfrüht in die Menopause rein gehe und wie ich das überhaupt bemerken würde, wenn ich eine Hormonspirale trage, und das sind alles unnötige Gedanken, wenn ausreichen oft kommuniziert würde, dass das eine sehr häufige Nebenwirkung der Corona-Impfung ist. Auch noch mehrere Wochen nach der Impfung.
Alle möglichen Impfreaktionen kann ich aus dem Effeff zitieren: 
Als es um die Herzmuskelentzündung ging, war das in aller Munde. Ich will nicht behaupten, dass es damit zusammenhängt, weil hauptsächlich junge Männer davon betroffen waren, aber dass Hunderte und Tausende von jungen Frauen von ganz erheblichen Nebenwirkungen betroffen sind, die uns alle nicht davon abhalten würden, die Impfung zu nehmen, die aber wichtig gewesen wären zu wissen, davon kein Sterbenswörtchen. Stimmt nicht, stelle ich gerade fest: Wenn mensch an der Seite "gemeinsam gegen Corona" ganz (!!) nach unten scrollt, da kommt der Punkt: "Beeinflusst die Corona-Schutzimpfung den weiblichen Zyklus?" - mit der Aussage: mäh, weiß man nicht so genau.
Schlimm genug?
Ganz im Gegenteil, der (männliche!) Vorsitzende des Verbands der Frauenärzte in Deutschland (warum muss das überhaupt einen Mann sein, ist eine Frau etwa die Vorsitzende das Urologen Verbandes in Deutschland?) behauptete gar, die von Frauen berichteten Blutungen kämen von der Aufregung vor der Impfung. Ich dachte, mein Kopf explodiert. 
Wie kann das sein, dass ein Mann (immerhin gibt er zum Jahresende das Präsidium des Verbandes auf und an seinen männlichen Nachfolger weiter), der für Frauen sprechen sollte, für seine Patientinnen, eine solche Weltdarstellung vertreten kann? Wenn es danach ginge, so beobachtete eine befreundete Alleinerziehende, müssten wir pausenlos bluten, so oft wir uns aufregen müssen. Allein die Erkenntnis über diese Situation macht mich so rasend, dass ich bestimmt deswegen mehrere Wochen bluten muss. Eine andere berichtete, dass der darauf angesprochene (männliche) Arzt dies einfach abgewunken habe.
Was ist das nur für ein Schwachsinn, wie kann es sein, dass im 21. Jahrhundert, anno 2021, noch so über die Hälfte der Bevölkerung gedacht wird? Wie kann es sein, dass angenommen wird, die Hysterie des späten 19. Jahrhunderts sei immer noch die ausschlaggebende Ursache für Dinge, die jetzt im 21. Jahrhundert passieren? Wie kann es sein, dass sich das Frauenbild in manchen Köpfen immer noch so hält, dass auf unsere Psyche eine Schuld geladen wird, die dort nichts zu suchen hat?
Gnaah!!
Wie wäre es, wenn sich die Medizin auch mit Frauen so beschäftigt, als wären sie Menschen? Und zwar bevorzugt nicht nur ausnahmsweise, sondern als Regel?


Kommentare

Beliebte Posts