Durchschlafstörungen
Ich hatte meinen ersten Post in der Powermoms Gruppe bekannt gemacht, und habe dafür viel Zuspruch bekommen. Danke euch Mädels, weil ich so darauf vertrauen kann, das von euch immer Zuspruch kommt. Zuspruch in Form von "ich erlebe das auch so", "du gibst meine Gedanken, meine Empfindungen so gut wieder". Zuspruch in Form von Identifikation. Es war wohl Watzlawick, der davon sprach, dass wir ständig auf der Suche danach sind, unsere eigene Wahrnehmung bestätigt zu wissen, und wie wichtig das für unsere geistige Verfassung ist. Aber mehr dazu wann anders.
Jedenfalls entbrannte sich die Frage, ob noch jemand Schlafstörungen hätte. Daraufhin meldete sich die halbe Gruppe. Viele berichten, dass sie Durchschlafstörungen haben. Durchschlafstörungen sind meiner Erfahrung nach die garstigste Form der Schlafstörungen. Frau ist so ohnmächtig, wenn sie mitten in der Nacht wach ist. Der bisherige Schlaf reicht auf keinen Fall aus, und der Druck, wieder einschlafen zu wollen, verhindert eben dies.
Durchschlafstörungen bei Alleinerziehenden sind kein Zufall. Sie sind System. Sie sind das Ergebnis einer systematischen Überforderung oder zumindest Überladung. Natürlich leiden auch andere Menschen an Durchschlafstörungen, und ich könnte mir vorstellen dass auch vor allen Mütter in Zwei-Eltern-Familien das Problem ebenfalls haben. Was bei Alleinerziehenden noch die Problematik erschwert, ist, dass kein zweiter Erwachsener da ist. Es ist keiner da, der das Frühstück machen übernehmen kann, so dass man wenigstens eine halbe Stunde länger zum Schlafen hat. Es ist keiner da, der das Kind morgens versorgen und in den Kindergarten oder in die Schule bringen kann. Frau ist einfach so komplett alleine, und allein dieser Druck würde schon völlig ausreichen, den Schlaf komplett zu verbannen.
Gut, Problematik erkannt. Natürlich können auch Hormone, gerade bei "älteren" Frauen, eine Rolle spielen. Aber wenden wir uns erstmal den machbaren Aspekten zu.
1. Schlafhygiene. Abends 2 Stunden vor dem Schlafengehen (vorausgesetzt, eure Kinder schlafen vor euch ein, was ich euch von Herzen wünsche!!!) keinen Stress mehr (haaaaaahahahaha), möglichst keinen Bildschirm (blaues Licht stört das Gehirn), keine Zigaretten/Koffein/Alkohol, kein Ausdauersport. Stattdessen: gedimmtes Licht, Yoga, Meditation, Podcast oder Hörbuch hören, lesen (aber möglichst nicht auf dem Handy), telefonieren (aber nur mit netten Leuten, und nicht mit welchen, die euch aufregen!), Musik hören oder machen, andere entspannte Hobbys wie Kalligraphie, Collagen, Tagebuch schreiben (finde ich super wichtig).
2. Schlafroutine: möglichst jeden Abend zur gleichen Zeit und mit den gleichen Ritualen vorher ins Bett.
So, das hilft aber eher gegen das Einschlafproblem.
Wenn frau nachts wach wird gibt es hauptsächlich 2 Probleme:
1. Die Gedanken sind unfassbar düster. Sie kreisen, kreisen und frau steigert sich rein und der Schlaf ist weg.
2. Frau WILL wieder einschlafen, weil sie weiß, wie wichtig der gute Schlaf ist.
Dagegen hilft, meiner Erfahrung nach:
1. Meditieren, meditieren, meditieren. Hilft nicht kurzfristig, sondern langfristig. Ist aber aus meiner Sicht das einzige Werkzeug, das langfristig Besserung bringt. Frau muss lernen, ihre Gedanken zu beobachten und sich von ihnen zu distanzieren. Die Gedanken sind wie Autos auf einer Autobahn. Frau kann entscheiden, ob sie sie nur beobachtet, oder ob sie einsteigt. Allerdings sind wir es gewohnt, jeden Gedanken mitzumachen, zu verfolgen. Und das müssen wir wieder verlernen. Es geht darum, eine Beobachtungsposition einzunehmen, und die Gedanken "einfach" ziehen zu lassen, ohne sie als wahr oder nötig extra zu betonen.
Gelingt es auf Anhieb? Nein, ganz sicher nicht. Es sind hunderte von Anläufen nötig, bis man anfangen kann, diese Distanz aufzubauen. Anfangs ist es immer wieder der bewußte Gedanke: "ohje, ich bin wieder eingestiegen, ich steige jetzt wieder aus, und schaue mir die Gedanken an". Dann sehe ich einen Gedanken, und beim zweiten sitze ich schon wieder drinnen. Dann wieder die Erkenntnis, "ohje ich bin wieder eingestiegen ich steige jetzt wieder aus und schaue mir die Gedanken an". Dann sehe ich einen Gedanken, und beim zweiten sitze ich schon wieder drinnen. Dann wieder die Erkenntnis, "ohje ich bin wieder eingestiegen ich steige jetzt wieder aus und schaue mir die Gedanken an". Dann sehe ich einen Gedanken, und beim zweiten sitze ich schon wieder drinnen. Dann wieder die Erkenntnis, "ohje ich bin wieder eingestiegen ich steige jetzt wieder aus und schaue mir die Gedanken an". Dann sehe ich einen Gedanken, und beim zweiten sitze ich schon wieder drinnen. Dann wieder die Erkenntnis, "ohje ich bin wieder eingestiegen ich steige jetzt wieder aus und schaue mir die Gedanken an". Jaha!! Das meine ich wirklich so!
Aber im Laufe der Zeit wird es besser. Frau kann schon zwei, drei, vier, sechs, zehn Gedanken anschauen, bevor sie wieder einsteigt. Und das hilft, weil diese Erfahrung zeigt, dass wir nicht jeden Gedanken verfolgen müssen. Wir haben die Macht darüber, ob wir dem Gedanken Raum geben oder nicht. Und das ist langfristig meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, den Gedanken ihre Kraft und ihre Wucht zu nehmen. Hilft zwar nur langfristig, aber je früher Frau damit anfängt, desto früher wird es auch helfen. Also wer noch nicht meditiert, fangt am besten noch heute damit an.
Alternativ ist auch autogenes Training möglich, das empfinde ich als etwas einfacher. Das ist ein Werkzeug, dass man anwenden kann und schnell wirkt. Dazu gibt es hilfreiche Anleitungen und Videos im Internet, ich suche später noch etwas zusammen. Als Sofortmaßnahme hilft es meiner Erfahrung nach, einen Podcast anzumachen und versuchen, die Wörter, die gesprochen werden, im eigenen Kopf nachzusprechen. Davon schlafe ich meistens innerhalb von Sekunden ein.
2. Da hilft interessanterweise eine paradoxe Intervention, die ich gelernt habe. Mit paradoxen Interventionen bezeichnet man in der Psychologie Handlungen, die völlig gegen die Intuition gehen von dem, was man erreichen möchte. Und so ist es beim Schlaf auch. Wenn frau einschlafen möchte, kann frau es nicht. Aber wehe, sie nimmt sich vor, wach zu bleiben. Zack, überwältigt der Schlaf den sehr müden Menschen. Kennen wir auch von unseren Kindern. Manchmal wollen sie um jeden Preis wach bleiben, und schlafen deswegen umso schneller ein. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.
Also die Kurzfassung heißt, eigentlich wie immer, den Druck rauszunehmen. Den Druck, den Haushalt noch machen zu müssen, während das Kind schläft (dann bleibt es halt liegen und frau macht es, wenn sie mehr Kraft dafür hat), den Druck einschlafen zu müssen, den Druck alle Probleme der Welt mitten in der Nacht lösen zu wollen, den Druck zu funktionieren.
Ich wünsche euch den besten Schlaf der Welt, den ihr verdient!
Was funktioniert bei euch gut/besonders gut/nicht/überhaupt nicht? Was habt ihr schon alles ausprobiert?
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