2021. Kaum zu glauben.

Alleinerziehend. Dieser Begriff ist so hart. So negativ konnotiert. Deswegen kam eine der Mütter in unserer WhatsApp-Gruppe damals mit dem Wunsch um die Ecke, dass wir einen anderen Namen für unsere Gruppe finden mögen. Und so sind die Powermoms entstanden.

Die Powermoms sind eine Gruppe von Alleinerziehenden im Osten Erlangens. Wir haben uns Ende 2016 zusammen gefunden und nicht wieder verloren. Einige von uns waren nur kurze Zeit dabei, andere sind schon seit dem Beginn da, fünf Jahre. Anfangs waren wir homogener, im Laufe der Zeit ist eine größere Diversität entstanden. Unsere Alterspanne erstreckt sich von Anfang 20 bis Mitte 50, unsere Kinder sind kleine Babys oder schon (fast) erwachsen. Einige von uns sind frisch getrennt oder geschieden, andere von uns haben schon eine oder mehrere Beziehungen seitdem hinter sich gebracht. Wenige von uns sind aktuell sogar in einer Beziehung, und sind dennoch alleinerziehende. 

Wir teilen miteinander viele Fragen, denn die Fragen, die uns betreffen, betreffen nicht selten ALLE von uns. Die Erfahrungen, die wir miteinander teilen, sind so vielfältig, und haben doch so viel gemeinsam. Denn die Erfahrung, allein erziehend zu sein, ist so prägend, so bedeutend, dass oft alle anderen Themen von diesem einen abgeleitet werden. Wie kann ich überleben, ich Mensch, von dem so wahnsinnig viel abhängt? Wie kann ich meinem Kind oder meinen Kindern eine möglichst gute Kindheit, eine möglichst gute Voraussetzung für das Leben bieten? Gleichzeitig unseren Unterhalt bestreiten, und mich selbst auf diesem Weg nicht vergessen? Wie überlebe ich die Erschöpfung, wie kann ich Freiräume schaffen? Wie werbe ich um Verständnis für meine Lebenssituation? Wie mache ich es Chefs und Kolleginnen verständlich, was alles an mir hängt? Wie erkläre ich jemandem, der keine Kinder hat, was es bedeutet, 24/7 ein Kind zu verantworten? Woran werde ich gemessen - und von wem? Und wie kann ich diesen Druck reduzieren, der die ganze Zeit auf mir lastet?

https://www.pexels.com/@vlada-karpovich

2021 nähert sich dem Ende. Und ich kann kaum glauben, dass ich wieder die ersten Zeilen eines neuen Blogs schreibe. Nachdem es ungefähr 20 Jahre her ist, seitdem ich das erste Mal das Bedürfnis hatte, etwas im Internet zu veröffentlichen. Offenbaren. Damals war das Internet noch so frisch, noch so neu.  Da war so viel Platz, so viel Gestaltungsspielraum. Heutzutage ist es schon so erwachsen geworden. Da sind so viele so gute Inhalte, muss dann wirklich ein neuer Blog her? Ich bin keine Instagram-Ikone - und werde wohl auch keine mehr. Ich bin mit meinen 41 Jahren eher ein Urgestein des "Web 2.0". So nannte sich das, "damals". 

Es sind drei große Herausforderungen, wenn frau öffentlich im Netz schreibt. 1. Frau, 2. öffentlich im Netz und 3. schreibt. Jede:r kann lesen, was ich schreibe. Jedes (falsche) Wort hat das Potenzial, einen Shitstorm auszulösen. Jeder Satz hat Bestand, bleibt verewigt, wo ich doch noch gar nicht weiß, worüber ich mich in Zukunft definieren möchte. Mein Ich von morgen ist noch nicht fertig, muss aber dauerhaft mit dem klar kommen, was mein Ich von heute oder von gestern öffentlich geschrieben hat. Meine Worte bleiben mit mir verbunden - in guten wie in schlechten Zeiten. 

Und dennoch. Trotz aller Herausforderungen (Zeitmangel!!)... Da ist so viel, das ich schreiben möchte. Da ist so viel, dass ich einfach schreiben muss. 


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